wie es dazu kam…

Kathi backt

Es ist mit Sicherheit verwunderlich, dass man plötzlich aus der Küche von mir hört. Bisher kannte man mich eher leicht bekleidet auf der Motorhaube eines Boliden oder mit Autoreifen unterm Arm in der Tuningwerkstatt. Doch all dies liegt mit der Wahl zur Miss Tuning 2003 und den dazugehörigen Fotoshootings für den gleichnamigen Kalender 2004 schon ein Jahrzehnt zurück. Ich freue mich ja, dass mir hier dieser Durchbruch gelungen ist, aber die Zeiten als Tuning-Bombshell sind einfach vorbei. Ich bin weiterhin in dem Segment der individuellen Fahrzeugveredelung mit meinem Unternehmen KK COLORS und KK COCOON (Effektlacke- und Folien) tätig sowie als Moderatorin fürs TV rund um das Thema Automobil und Tuning im Einsatz.

Was die meisten wohl nicht wissen – woher auch – ist, dass meine eigentliche Passion schon vor der Wahl zur Miss Tuning und meinem Einstieg in die Welt der Automobile, der Ernährungslehre galt, insbesondere der faszinierenden Funktion von Vitaminen im Stoffwechsel. In der Schule habe ich das rein chemisch betrachtet, allerdings nicht so spannend gefunden. Auf dem Ernährungswissenschaftlichen Gymnasium zählte die organische Chemie zu einem meiner Leistungskurse und der Citratzyklus ist mir bis heute noch ein Graus.
Meine Nase steckte ich bereits als vierzehnjährige viel lieber in andere Bücher. Ich verschlang Ratgeber, die sich mit unüblichen Ernährungsformen wie z.B. der Rohkost befasste (Willst du gesund sein? Vergiß den Kochtopf! von Helmut Wandmaker) und somit unsere gewöhnlichen Essgewohnheiten komplett auf den Kopf stellten.

Im Alter von fünfzehn Jahren beschloss ich Rohköstlerin zu werden, in der Hoffnung meine starke Akne in den Griff zu bekommen. Diese Diät bedeutet, dass man kein gekochtes oder behandeltes Essen zu sich nimmt. Will heissen: nichts darf in der Pfanne, im Kochtopf oder im Ofen erhitzt oder zu bereitet sein. Keine Milchprodukte, keine Teigwaren, kein Öl, kein Salz, kein Zucker und natürlich auch kein Fleisch. Nur Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte in ihrer rein natürlichen Form waren erlaubt. Ihr könnt Euch ja denken, was das für Diskussionen mit meiner Mutter und ganz besonders mit meiner Grossmutter mit sich führte.

Die Rohkost wirkte in den ersten 6 Wochen nahezu Wunder, schliesslich verzehrte ich bis dato extrem viele ungesunde Sachen, insbesondere verdrückte ich Unmengen an Süßigkeiten und Weißmehlprodukten. Ich war gerade zu beflügelt, als meine Haut immer besser wurde und ich dazu noch immer schlanker wurde. Allerdings kippte das Ganze nach einem Jahr in eine Art Essstörung, gekoppelt mit starken Mangelerscheinungen wie Haarausfall, 8 Kilo Untergewicht und einem wiederkehrenden schlechten Hautbild. Wie soll sich denn von ein paar Äpfeln und Nüssen der Körper auch gesund halten können? Mir wurde zwar bewusst, wie wichtig es ist, täglich darauf zu achten, dem Körper alles was er braucht durch eine ausgewogene Ernährung zu geben, um gesund und damit auch schön zu sein. Aber diese Phasen des „auf mich achtens” hielten leider nicht wirklich lange an. In der Theorie kannte ich mich gut aus, aber im wahren Leben, waren meine Essgewohnheiten katastrophal.
Um zu sehen, wie fit ich wirklich auf diesem Gebiet bin, bewarb ich mich im Jahr 2000 bei der Quiz-Sendung „Risiko“ mit Kai Böcking im ZDF. Einer meiner Mitstreiter Backstage konnte sich natürlich nicht die Frage verkneifen, als er mich da sitzen sass: „Na Kleines, was ist denn dein Thema? Barbie-Puppen?“. Ich war natürlich mega stolz, als ich nach den vier Tagen mit dem Thema „Vitamine im Metabolismus“ sogar das Finale gewann.

Leider änderte dieser Sieg auch nicht wirklich viel an meinen bisherigen Essgewohnheiten. Die tollsten Tipps und Ratschläge hielt ich für mein Umfeld bereit; doch wie heisst es so schön: der Schuster trägt die schlechtesten Schuhe?!

Um später in meinem Job einsatzbereit und fit zu sein, hielt ich mich mit literweise Latte Macchiato, Energydrinks und Süßkram wach. Durch diesen Lebenswandel schaffte ich es, mich gesundheitlich Stück für Stück runter zu wirtschaften.
Es gab Phasen, da stopfte ich, wenn ich ein paar Tage frei hatte, sprichwörtlich wieder alles worauf ich Lust hatte, in mich hinein. Während Jobs ass ich kaum noch etwas aus Angst zuzunehmen oder einen aufgeblähten Bauch zu haben und müde zu werden. Mein Körper war total überfordert, schliesslich war er es jahrelang gewohnt sofort Energie zu bekommen ohne großartig Nahrung verdauen oder verstoffwechseln zu müssen. Was übrigens furchtbar war, ich musste erst mal wieder lernen richtig zu essen, ohne danach ins Wachkoma zu fallen.

Im TV wirkt man leider 5-10 Kilo schwerer und da ist eine Konfektionsgröße von 34/36 eigentlich ein ungeschriebenes Gesetz. Da ich anatomisch betrachtet noch nie eine Miss Äthiopien war, stehe ich zu meiner 38er Konfektion und rate allen Frauen von dieser schrecklichen Diäthungerei ab. Nur Hunde spielen mit Knochen.

2009 wurde ich wieder (Ovo-Lacto) Vegetarierin, ich ass also kein Fleisch und Fisch, dennoch Milchprodukte und Eier. Ich merkte wie gut es mir tat, weil ich so gezwungen war, gesunde Sachen zu essen.

2010 setzte mich das Unternehmen Schneekoppe ein, um in Seminaren den professionellen Basketballspielern und den Nachwuchsathleten Tipps für eine optimale Ernährung vor, während und nach den Wettkämpfen zu geben. Ich war wieder Feuer und Flamme, denn durch diese Arbeit habe ich eine sich im Dornröschenschlaf schlummernde Leidenschaft wieder wach geküsst.

Als ich mich 2010 beruflich wieder so verausgabte, zog ich endgültig die Notbremse und begann mein Leben von Grund auf zu ändern. Ich hatte sprichwörtlich die Nase voll.
Nach gut einem Jahr gelang es mir, nicht mehr aus dem Koffer leben zu müssen und wurde ruhiger und häuslicher. Die öffentlichen Auftritte und Messen reduzierte ich bewusst und ich konzentrierte meine Hauptarbeit auf den Versand und Vertrieb meiner Produkte von meinen Homeoffice aus. Ich begann mit der Haus- und Gartenarbeit und erfüllte mir meinen Kindheitstraum, in dem ich mir zwei Pferde zulegte. Dieser kleine Zoo, zu dem noch ein Hund und Kakadu zählt, zwang mich quasi dazu häuslich zu werden. Schritt für Schritt kam ich mehr zu meiner inneren Ruhe. In diesem Prozess wurde ich Veganerin, da ich mir die Frage stellte, wer uns eigentlich das Recht gäbe sich an den Tieren zu bedienen. Also verzichtete ich auf tierische Produkte und entdeckte meine grosse Freude am veganen Kochen.*

Nach all diesen Auf und Abs meines Achterbahnlebens habe ich endlich meinen Weg gefunden und ich hoffe, gerade auch jungen Frauen, die noch nicht im Einklang mit sich und ihrem Körper sind, ein hilfreicher Wegweiser sein zu können. Denn ich habe am eigenen Körper erfahren müssen, wie hart diese Gesellschaft ist, in der man leider nur auf seine Optik und Leistung reduziert wird. Wie singt Alanis Morissette so schön: We’ll love you just the way you are…If you’re perfect

*(Mehr zum Thema tierfrei leben findest Du hier unter „VEGAN“)

6 thoughts on “wie es dazu kam…

  1. Liebe Katharina,

    nur zu gut kann ich mich an die Zeit erinnern als du für das Quiz Sendung gelernt hast 😉
    Du hast Deine Homepage mit sehr viel Liebe gefüllt und mir den letzten Schubs in die Vegane Welt gegeben. Vielen Dank an dieser Stelle !
    Ich könnte nun noch sehr viel schreiben…eins ist sicher ,ab morgen wird vegan gelebt !

    Küsschen, und liebe Grüße

    Nicki

    • Mensch Nicole, daran kannst du dich noch erinnern? Das waren Zeiten, was ?! 🙂 Vielen lieben Dank für dein liebevolles Feedback, ich freue mich, wenn ich ein wenig Licht ins Dunkel bringen und zeigen kann, dass wir Veganer uns nicht nur von Grünkernzeugs und Reiswaffeln ernähren. Süsse, wenn du Fragen hast gerade was die Versorgung deines Kind betrifft, schreib mir einfach. Dickes Bussi und viele liebe Grüße! Kathi

  2. Wow !! Einfach toll 🙂 bin 17 und seit 3 jahre ovo lacto vegetarierin. Davor war ich 1 jahr veganerin aber ich würde mich gern wieder vegan ernähren 🙂 vielleicht könntest du noch mehr rezepte reinstellen? Ich habe zwar zwei vegane kochbücher aber rezepte mit eigener erfahrung und von dir geschrieben klingen ansprechbarer :p
    Mit freundlich grüßen
    Kathi aus österreich 🙂

  3. Toll dein Weg. Und erinnert mich so an mich selbst, nur dass ich grad noch fest stecke „in der Theorie wüsste ich es ja“. Aber der Anstoß ist da, danke. Hast du Literaturvorschläge für die Ernährung mit Kindern? Was gibt man z.b. statt dem Joghurt mit in den Kindergarten (außer Obst und Gemüse)?
    Liebste Grüße,
    Saine

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